Einer der wunderbaren Aspekte daran, Mitglied in einem Freikarten-Gewinn-Club zu sein, ist der, dass man ab und an mal überraschend Freikarten gewinnt. Die nix kosten, klar. Ein weiterer wunderbarer Aspekt ist, Freikarten für Veranstaltungen zu gewinnen, deren Besuch man sonst nicht mal im Vollrausch beschlossen hätte. Ein wunderbarer Aspekt des gemeinen Freikarten-Gewinn-Club-Mitglieds ist die Mentalität "Es ist umsonst, also gehn wir uns dat jetze ooch ma ankieken, wa". Also eine Art lemminghafte Risikobereitschaft, gepaart mit Neugier und Rabattwahn. Dies mal so vorab als Grundlage.
Montag war es also wieder soweit: Ich, die ich einst noch aufgeregt mit dem Tigerchen gemeinsam mit den potentiellen Mitgliedern der No Angels mitfieberte (wir schämten uns damals ein wenig dafür, jetzt können wir dies in einer flüssigen alte-Hasen-Handbewegung gelassen abtun, genau wie die Tatsache, dass wir wissen, dass Twix einst Raider hieß), habe D! live gesehen und sogar ein paar Worte mit ihm gewechselt, jawohl. Und zwar nicht irgendwo, sondern in
D!s Dance School, der Popstars-Schmiede schlechthin, denn dort hatte ich kostbare Freikarten für eine Gesangsstunde gewonnen.
Dort angekommen, stellte sich heraus: Um nicht aufzufallen, hätten wir mehr pink- oder türkisfarbene Kleidungsstücke tragen müssen (eine schnelle Bestandaufnahme brachte es auf ein Accessoire, das an versteckter Stelle mit gutem Willen etwas verdrecktes Rosa aufweist), und ach ja, noch so zehn Jahre mindestens jünger. Überhaupt war alles ein großer Britney-Pre-Marriage-Lookalike-Contest, und abgesehen davon, dass ich tatsächlich mal
ein überraschend sympathisches Interwiev mit D! in der Berliner Zeitung las, scheinen sie dort in dieser Dance School eine große Menge Kohle mit den Träumen präpubertärer Kiddies zu verdienen. Und denen ihrer hoffnungsvollen Eltern.
Die Gesangsstunde an sich war so, wie man es von jemandem erwartet, der ziemlich oben auf der Visitenkarte, noch über Stimmbildung und Atemtechniken, den Punkt Casting-Vorbereitung in Szene setzt. Gemeinsames Aufwärmen, dann durfte jeder wie beim Karaoke in einem Riesenordner Lieder wühlen (die Hälfte locker von Britney, Xtina, Mariah und wiesiealleheißen) und anschließend das gewählte Lied vortragen.
So ganz mies war's natürlich nicht. Der Teenie in mir kicherte pubertär, wurde ständig rot und scharrte aufgeregt mit den Füßen. Und sagenhafte drei Highlights gab es durchaus in der Schmiede der Möchtegern-F-Prominenz: Ernstens hätte es mich ziemlich gefuchst (soll heißen: wäre vor Neugier umgekommen), hätte ich diese grandiose Möglichkeit an mir vorübergehen lassen. Zweitens: Ich habe tatsächlich das erste Mal in meinem Leben in ein Mikrofon gesungen. Und drittens hat mir der hübsche, hippe und ach so braungebrannte Gesangslehrer doch tatsächlich eine "anmutige", "angenehme" und "natürliche" Singstimme bescheinigt. Daraufhin war ich erst ganz huch und hach und kicher. Jetzt denke ich mir, die kleine Mistsau, das sagt er bestimmt zu allen Freikartengewinnern.
Aber woohoo, wir waren in D!s Dance School!
von
trilusion • 30. Jun, 20:22 • einsortiert unter
wunderlich